Triathlon Rennberichte

Rennbericht: Ironman 70.3 World Championship Australien – Joachim Prinz

„Dabei sein ist alles!“ Was vielfach als olympisches Motto zitiert wird, gilt grundsätzlich auch für Triathleten. Nur, dass für diese nicht die Olympischen Spiele, sondern der legendäre Ironman auf Hawaii die Krönung ihrer sportlichen Leistung und Belohnung ihrer investierten Trainingsstrapazen darstellt. Als ich mich Anfang des Jahres beim Ironman 70.3 Wüstenrennen von Dubai unerwartet und glücklich für die im australischen Mooloolaba stattfindende Weltmeisterschaft qualifizierte, war mir sofort klar, dass ich diese einmalige Chance wahrnehmen würde. Und um es vorweg zu sagen: Die lange Reise nach „down under“ hat sich trotz aller Widrigkeiten ausgezahlt.

So ging es also vor gut einer Woche von Düsseldorf über Dubai mit Emirates auf nach Brisbane und dann weiter nördlich ins 70 km gelegene Mooloolaba. Bereits im Flugzeug wurde mir mitgeteilt, dass mein Triathlonrad verspätet in der Unterkunft eintreffen würde. Easy going dachte ich, als Triathlet stehen immerhin zwei weitere Disziplinen für das Training zur Verfügung. Selbst als das Rad am folgenden Tag nicht eintraf, konnte ich mich doch gut an das Schwimmen im aufgewühlten Pazifik gewöhnen, und fand mit Triathlet Paul Semnacher aus L.A. schnell einen sehr erfahrenen Freiwasserschwimmer, der mich in die Besonderheiten des Ozeanschwimmens einführte. So lernte ich die Strömung zu fühlen, die Orientierung zu halten und den Wasserausstieg mit starker Brandung zu kontrollieren.

Der Erfolg dieser Schwimmübungen war bemerkenswert. So schwamm ich beim „Ocean 1000“ pre-race swim festival die Kilometerdistanz in 16:09min; für mich als „Nichtschwimmer“ eine hervorragende Leistung, trotz und wegen des Auftriebseffekts des Salzwassers.

Leider folgte auf die gewonnenen Schwimmsicherheit rasch die Ernüchterung : Mein Rad wurde beschädigt angeliefert. Offensichtlich ist beim Flugtransport oder im Zoll etwas schief gegangen, jedenfalls war der rechte Ausleger des Triathlonlenkers durchgebrochen. Somit musste ich sofort zur Radinspektion. Dort traf ich auf Altmeister Jürgen Zäck, der ebenfalls ein kleines Problem an seinem futuristisch anzusehenden Rad hatte. Nach kurzer Schilderung meiner Schadenssache erklärte der Radmechaniker, dass er in der Kürze der Zeit mein Rad nur provisorisch reparieren könnte, zu spezifisch wären meine ROSE Bauteile. Zusätzlich stellte sich noch heraus, dass auch die Kabel der Schaltung im Lenker gerissen war. Aber immerhin, das Rad würde einsatzbereit sein, ich bin dabei!

Einen Tag später konnte ich das Rad abholen. Es war schon Freitag, zwei Tage vor dem Rennen. Endlich eine Radausfahrt und Erkundung der Strecke. In Gesprächen auf der Expo hatte ich mitbekommen, dass ein 400m langer, giftiger Anstieg auf die Athleten wartet. Durchschnittlich 25 Prozent! Fast alle Agegrouper kauften noch in großer Hektik größere Ritzel zur Montage und ich hatte noch nicht einmal eine Probefahrt machen können. Also, los geht’s! Die Ausfahrt mit dem Provisorium verlief anfangs gut. Doch bevor ich zum anvisierten 25%-Anstieg bei km 45 kam, drehte sich der rechte Ausleger und ein halten auf dem Triathlonlenker wurde schwer möglich. Zurück nach Mooloolaba, zurück zum Radmechaniker.

I can fix it, but not guarantee it!

So wurde es Samstag, ich holte das Rad ab und brachte es auch schon zum Check-In. Am Abend zuvor gab es auch das welcome-dinner und ich lernte Mark Allen und und Ironman CEO Andrew Messick über meinen neuen Triathlonfreund Paul kennen. Beide beeindruckende Persönlichkeiten. Sportlich und wirtschaftlich. Ich kam gut durch die anschließende Nacht, bis um vier Uhr morgens der Wecker klingelte und es hieß: „Ready to race“.

Mein Start begann um 7:25 Uhr, Wasserstart der AK 45-49, eine zahlenmäßig große Gruppe. Zuvor sind bereits neun andere AK-Gruppen gestartet. Anders als sonst fand ich getragen vom Salzwasser tatsächlich meinen Rhythmus, die übliche Panikattacke blieb aus. Trotzdem gab es Gehaue und Gesteche Überschwimmen war die Regel, die Wellen erschwerten das Orientieren. Ein Blick im Schwimmziel auf die Uhr (33min) motivierte mich jedoch mit erhöhtem Puls durch die ewige Wechselzone T1 zu laufen, mit Schuhen und Helm. Die Sonne schien schon kräftig, schnell wurde es warm. Rad gefunden, Hügel hoch und aufsitzen, los ging es auf die ersten 40 flachen Kilometer. Trotz gezwungener „Radpause“ gewöhnte ich mich schnell an die neue Sitzposition auf dem Rad, Kette rechts, 38km/h, kein Problem.

Andere Konkurrenten waren hingegen deutlich schneller, gelassen beobachtete ich viele entgegenkommende Gruppen die drafting ignorierten und lutschten. Aber ich wollte mein Rennen fahren und es ging mir hauptsächlich ums Finish. Warum sollte ich eine Strafe oder ein mögliches DNF riskieren? Mit dieser Einstellung erreichte ich Kilometer 45 und damit den giftigen Anstieg, der unglücklicherweise auf eine Abfahrt folgte.

Unglaublich, warum bin ich so langsam am Berg?

dachte ich eigentlich, bin ich doch mit meinen 57kg eine Bergziege, je steiler desto besser. Doch hier wurde ich links und rechts überholt! Hat sich das Ritzelwechsel meiner Wettbewerber ausgezahlt? Muss ich mit meinem 23er Ritzel so leiden? Gefühlt drücke ich 400 Watt, die Beine brennen, ich ziehe mit voller Kraft am maroden Lenker. Doch oben angekommen stelle ich ungläubig fest, dass ich auf dem 53er Kettblatt hochgefahren bin (53/23), und drossle erschöpft das Tempo. Max out am Berg!

Wieder erholt, meldet sich dann der rechte Ausleger meines Lenkers. Drehung der Extension nach innen, mein Arm verknotet sich förmlich um bequem aufliegen zu können. Aero Position undenkbar, 30k still to go. Die Straßen werden holpriger, aber ich nähere mich dem Highway to Mooloolaba. Das Ziel in Reichweite, Lenker kaputt, aber ich komme ins Radziel. Erneut durch die lange T2, Treppenabstieg mit Schuhen runter zum Strand in die Wechselzone, Helm ab Laufschuhe an, und los geht’s. Endlich in meinem Element! Instant hoch zum Alex-Hill, die Zuschauer feuern die Triathleten frenetisch an, die Stimmung und Atmosphäre ist einzigartig, Mooloolaba hat seine WM und die Zuschauer sind weltmeisterlich. Heute ist „fathers day“, wunderbares Wetter, alle Familien sind an der Strecke.

Vergessen meine Laufpause, vergessen die Achillesschmerzen, permanent die Trainingsintervalle meines Coaches vor Augen die mich antreiben. Ich laufe bewusst zögerlich an, die Radstrecke war hart, progressives laufen, schnellerer zweiter split, ein alter Läufertrick! Viermal muss ich den Alex-Hill teilweise bei starkem Gegenwind hoch. Doch die Intervalle machen sich bezahlt, ich drücke den Wind weg, Berge sind – wenn die Schaltung auf dem Rad stimmt – auch beim Lauf kein Problem. Hitze ebenso kein Thema. Nur Wind und Kälte mag ich nicht. Die Kilometersignale meiner Garmin Uhr kontrolliere ich schon lange nicht mehr, ich habe den Groove gefunden, sehr wahrscheinlich kann ich die Kilometerzeit exakt wiedergeben. Und da ist auch schon die flamme rouge, der letzte Kilometer. Mit Schwung abwärts vom Alex Hill sehe ich die Uhr im Zielbereich erbarmungslos laufen.

Sub 5h war im Vorfeld ausgemacht, die Uhr bleibt für mich bei 4:50h stehen. Unabhängig der Zeit bin ich sehr zufrieden. Faires sportsmanship, unglaubliche Zuschauer vor atemberaubender Kulisse an einem australischen Feiertag. Viel mehr geht nicht. Nur die WM auf Hawaii im Langdistanzrennen muss emotional noch signifikanter sein. Ist es sicherlich auch! Doch das ist eine andere Liga! Wie erwähnt: „Dabei sein ist alles“. Auch im Falle einer Weltmeisterschaft „light“.

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Redaktion

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