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Mentaltraining für Sportler

Mit neurowissenschaftlichen Strategien Emotionen steuern, Motivation und Konzentration fördern und Bestleistung erreichen

Unabhängig davon, welche Sportart Sie ausüben, ob Sie Teamsportler oder Einzelkämpfer sind: Mentale Stärke ist essenziell, um Ihre Performance zu optimieren. Zudem ist sie hilfreich, wenn im Wettkampf unerwartete Schwierigkeiten auftreten, ein Spiel auf der Kippe steht, der Körper streikt oder der Druck zu groß ist. Mentaltraining unterstützt Sie dabei, die unterschiedlichsten Situationen souveräner zu meistern und Ihre Leistung besser abzurufen.

Es ist unser Gehirn, das als Steuerungszentrale dafür sorgt, dass wir als Menschen wahrnehmen, fühlen, agieren und reagieren. Keiner dieser Bereiche steht für sich allein; im Kopf laufen alle Fäden zusammen. Wissenschaftlich betrachtet handelt es sich um neuronale Prozesse, um ein Ineinandergreifen unterschiedlicher Systeme. Um diese zu verstehen und zudem ihre Netzwerkarbeit besser nachvollziehen zu können, braucht es die neurowissenschaftliche Perspektive. Diese ermöglicht auch eine neue Betrachtungsweise von Bewegung und Sport. Im Folgenden stellen wir diesen neuen Ansatz vor, der Altes mit Neuem verbindet und dadurch Mentaltraining greifbarer und verständlicher macht.

GEDANKEN – EMOTIONEN – BEWEGUNGEN: UNSER GEHIRN ALS STEUERZENTRALE

Über die Hälfte der Bevölkerung gibt an, regelmäßig sportlich aktiv zu sein.1 Es gibt verschiedenste Beweggründe, um sich sportlich zu betätigen: für die einen ist die Gesundheitsförderung ausschlaggebend, für den nächsten der Spaß am Spiel oder die Freude am Wettstreit und der Leistungssteigerung. Diese vielfältigen Antworten auf die Frage, warum wir Sport treiben, zeigen, dass Bewegung mehr ist als einfach nur körperliche Ertüchtigung. Die Entwicklung und Organisation des menschlichen Körpers sind in einem sehr weitreichenden Sinn auf Bewegung ausgelegt. Bewegung ist schlichtweg essenziell für einen gesunden Organismus! Hinter unseren Bewegungsfähigkeiten steht eine komplexe Verkettung kognitiver Prozesse sowie sozialer, emotionaler und physischer Faktoren, die sich wechselseitig beeinflussen.

Der Ort, an dem sich diese Verkettung in Form von neuronalen Aktivitäten abspielt, ist unser Gehirn: Hier befindet sich die Steuerungszentrale für alle genannten Prozesse. Das Ganze können wir uns aus zwei Blickrichtungen ansehen: Wir können sowohl die Wirksamkeit von Bewegung auf das Gehirn näher betrachten als auch umgekehrt die Arbeitsweise bestimmter Hirnareale und deren Wirkung auf Bewegungsabläufe. Das Zusammenspiel von Gedanke, Gefühl und Körperbewegung im Gehirn bildet die Grundlage für die Bewegungs- und Trainingslehre – es ermöglicht eine ganzheitliche und nachhaltige Einflussnahme, die wir für die Leistungsoptimierung und Gesundheitsprävention im Sport nutzen können. Forscher aus aller Welt machten in den vergangenen 60 Jahren eine Vielzahl neuer Entdeckungen, die uns das Gehirn als Organ besser verstehen lassen. Trotzdem kennen wir den Experten zufolge nach all den Jahrzehnten der Forschung vermutlich immer noch nur einen Bruchteil von dem, was unser Gehirn kann und was es »möchte«.

Die Urfunktion des Gehirns als Organ liegt allein darin, unser Überleben zu sichern. Wenn wir uns auf diesen evolutionären Ausgangspunkt besinnen, erleben wir eine Vielzahl von alltäglichen Gegebenheiten aus einer anderen Perspektive. Betrachten wir das Gehirn als vernetzte Steuerungszentrale für alle Prozesse unserer Motorik, unseres Denkens, Fühlens und Handelns, liegt es nahe, sich die Funktion und das Zusammenspiel einzelner Netzwerke in Bezug auf den Sport genauer anzusehen.

Wie zu Beginn des Kapitels beschrieben, geht es im Sport nicht allein um die Ausführung von Bewegungen, sondern um ein komplexes Ineinandergreifen kognitiver, sozioemotionaler und physischer Systeme – also um ein Zusammenspiel von Gedanken, Gefühlen und Körperreaktionen im Rahmen bestimmter Umweltbedingungen. Das Denken in Systemen hilft uns, Bewegung neu zu betrachten und zu verstehen. Bei diesem systemischen Ansatz stellen wir die neurobiologischen Prozesse im Gehirn in den Fokus – also den Aufbau und die Funktionsweise unseres Nervensystems –, was es uns ermöglicht, die Leistungsoptimierung aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Im Folgenden erfahren Sie, welche Vorgänge dabei im Gehirn im Einzelnen wichtig sind.

BEWEGUNGSLERNEN UND LEISTUNG IM FLOW

Der Flow-Zustand ist in aller Munde: Er ermöglicht es uns, Höchstleistungen zu vollbringen und regelrecht über uns hinauszuwachsen, was ihn gerade für den Sport interessant und sehr wünschenswert macht. Der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi hat 1975 das Flow-Konzept (flow = englisch »fließen«, »strömen«) entwickelt und als einen Zustand beschrieben, in dem wir optimal leistungsfähig sind.

Er ist gekennzeichnet durch eine hohe Aufmerksamkeit auf das Handeln im Hier und Jetzt, ein vollkommenes Vertieftsein in eine Aufgabe (Absorption), bis hin zu dissoziativen Tendenzen, also dem Gefühl, von sich selbst und der Umgebung losgelöst zu sein. In diesem Zustand sind wir in der Lage, Leistungen mühelos und punktgenau abzurufen. Der Flow-Zustand wird häufig als ein Verschmelzen, ein »nicht mehr denken, einfach machen« erlebt und kann in jeder Situation erzeugt werden, die spezifische Fähigkeiten erfordert – sowohl bei sportlichen und künstlerischen als auch bei verschiedenen beruflichen Tätigkeiten.

Dieser optimale psychologische und demzufolge auch physiologische (körperliche) Zustand kann eintreten, wenn eine Person eine Handlung ausführen möchte, die sie als bewältigbare Herausforderung wahrnimmt. Allerdings muss die Person über entsprechende Handlungsmöglichkeiten verfügen. Dafür ist bei Bewegungsaufgaben ein gewisser Tonus (Spannungszustand der Muskulatur) notwendig und die Herausforderung darf nicht zu groß (sonst ist Angst die Folge) und nicht zu klein (sonst erleben wir Langeweile) sein. Ein Flow-Erleben entsteht, wenn die Person über ihre durchschnittliche Erfahrung in Bezug auf die Herausforderungen in einer Situation und ihre Fähigkeiten hinausgeht. Dadurch erlernt der oder die Betreffende neue, komplexere Verhaltensweisen, was mit einem Gefühl der Freude und einem starken inneren Antrieb (intrinsische Motivation) verbunden ist. Haben sich die Fertigkeiten weiterentwickelt, muss man, um im Flow zu bleiben, die Komplexität der Aktivitäten steigern – diese Dynamik lässt sich optimal für den Ausbau von Fähigkeiten und die Leistungssteigerung nutzen.


© 2021 des Titels »Mentaltraining für Sportler« von Alexandra Albert (ISBN 978-3-7423-1773-5) by riva Verlag, Münchner Verlagsgruppe GmbH, München.

Redaktion

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