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Tom’s Rennbericht Ironman Zürich 2012

Wenn das mal keine Herausforderung war.. Man steht in diesem Gewühle von 1600 gelben Badekappen im fummel und wartet nur noch auf den Startschuss, um sich in den Zürich-See zu stürzen. In der Erwartung, sich grandios mit den anderen um jeden Zentimeter Wasser zu streiten und dabei ordentlich einzustecken (Kinnhaken, Schlag in Rippen.. meine armen Rippen!) und seine Position aufs beste zu verteidigen, wird man nicht enttäuscht. Zum Glück war es “kalt” genug für Neopren, sonst hätte ich vermutlich blaue Flecken..

Also, wo ist denn die Wendeboje 1, bei diesen ganzen Bleienten um mich drunherum sieht man ja nix..  Dahinten war sie eben noch rechts, jetzt wieder links, also irgendwie verschwimmt alles. Die Lage beruhigt sich erst nach gut 1000 Meter und ich kann normal Luft holen und finde in mein 3er Rhythmus..

Ich werde mich daran wohl nie gewöhnen, aber denke mir, das ist eh gleich vorbei. Dann zur nächsten Boje und zum Landgang. In einer Art Kanal versucht man sich auf dem Gedränge Platz nach vorn zu verschaffen, aber bei dem Rückstau unmöglich.. Zweite Runde dann entspannender, aber gefühlt auch viel weiter.. Land in Sicht und die Zuschauer empfangen mich am Züri-See mit Begeisterung.. Begeistert war ich auch, dass ich mein Rad.. hört hört .. sofort gefunden habe! Gut positioniert neben den Dixi-Klos, welches ich auf die Schnelle mitgenommen habe. Cool, jetzt war noch freie Platzwahl, dazu später mehr.

Auf dem Rad erst mal abgekühlt, der Fahrtwind bei rund 40km/h hat den Einteiler schnell getrocknet. dunkle Wolken auf dem Berg haben sich angekündigt, aber erst mal das Flachstück mit den anderen.. Öh, habe ich doch auf die Uhr geschaut und hatte schon kurz nach dem Start aufs Rad 1.15 h? Boah, das Schwimmen war ja mal nix.

Erstmal Gedanken weg und ordentlich im Abstand von 10 m zum Vordermann versucht dranzubleiben .. Bei den vielen Schwimmern, die da rausgestiegen sind, war das echt schwer, eingekesselt gab es nur einen Weg: Flucht nach vorn. Der Blick auf den Wattmeter: über 300 Watt im Schnitt, eigentlich viel zu fett, aber ich will ja nicht gleich auf dem Flachstück durchgereicht werden.. Sieh da, bei Kilometer-Punkt 35 zeigt sich ein Schnitt von 36,96 km/h, für die Olympische Distanz wäre das schon mal cool!

Ab in die erste Auffahrt, der Schiri, der die ganze Zeit auf dem Motorrad nebenher gefahren ist und öfter Verwarnungen ausgesprochen hat, rief jetzt: “hey leute, das ist ja Mannschaftszeitfahren.. “.. Mh, am Berg bei so vielen Leuten.. schwierig.. Meine Pedalen hatten guten Druck und ich sag die dunklen Wolken immer näher kommen, es wird doch nicht etwa genau an der steilsten Abfahrt der Regen.. oh, nein, genau das tat er.. Jetzt ruhig bleiben! so sehr klappern tust du noch nicht, hatte mich mit vaseline eingecremt, die anderen haben bei der ersten kalte Dusche angehalten und die Regenjacken angezogen.. so ne Warmdusche 😉 Jedenfalls habe ich mich gefreut, als neben, vor und hinter mir die Jungs alle mit Gewissen den Berg herunter sind und kein Bremsen nötig war..

Auf km 70 der ersten Runde dann durch zentimeter-tiefe Pfützen zur anderen Seeseite gedüst.. und schon die ersten Radfahrer entgegengekommen gesehen, die guten.. Den “Hearthbreak Hill” hochgedonnert, bin ich ja das erste mal gefahren, war eine schöne Sache und .. die Zuschauer machten sich hier lautstark bemerkbar und motivierten ..

Erste Runde mit 2:37 h .. da war noch was drin. Das Flachstück aber diesmal mit weniger Druck gefahren, irgendwie waren die Beine nach der 2. Dusche kalt und nicht mehr spritzig, kam kaum noch auf über 200 Watt. Die km-Anzeige im Tracker sagte was von 33.46 km/h im Schnitt.. Es kam jetzt auch unangenehmer kalter wind auf. Beim steilsten Aufstieg der Runde “The Beast” konnte ich dann wieder gut Druck machen und kam wieder über 270 Watt. Aber jetzt wurde das Rennen wieder von Regen und Wind bestimmt. Und dann? Trellert ein Schiri fröhlich neben mir: “Drafting, on next Penalty Box…” und zeigt mir die schwarze Karte. Meine Bemerkungen dazu, dass ich mit 5 Meter abstand am Berg.. wohl eher keinen Vorteil habe, konnte er nicht nachvollziehen.. Diskussion zwecklos. Ein Brite auf dem Rad hat mich dann mit warmen Worten aufgebaut.

Zumindest war ich dann geladen und habe den Schiri in der Penalty-Box zugetextet und irgendwann standen da auch viele bekannte Gesichter von der Radstrecke am Boxenstopp “Gehört dazu..”  und es wurde gelästert. Wo denn das Dixi ist und die Obst-Schale, ist doch irgendwie schade, wenn man hier schon 6 Minuten absitzen muss..

Die Schiris hatten immer gut lachen 😉

Mit der Radzeit von 5:32:18 h war meine Zielzeit von Sub 10 Stunden ..  somit erledigt. Was solls, ab auf die Laufstrecke.. wollte ich jetzt wirklich was herausholen? Die ersten 10 km in 4:40 km/h im Schnitt gelaufen.. Da geht doch was? Habe mit dem Support von family dann auch die zweiten Runde gestartet und meine Motivation: Am ende dieser Runde ist schon halbzeit..

Ab der 2. Runde aber fand ich das Rundenlaufen nervig, zicke zacke im Hafen, dann Unterführung, U-Turn, den Stadtpark mit glatten Stufen und kaputten Wegen .. und die Strecke an der Promenade mit den Gerüchen von Essen.. Nicht mein Fall. Dann fing wieder mal starker Regen an, plitsch-nass am Körper und dann der Wind, da hat sich der Bauch ziemlich gedreht, irgendwie die Runde abgelaufen und die Profi-Frauen vorbeiziehen lassen.

Der Run auf die Pipi-Boxen war immer wieder erlösend (3 mal).. ab km 30 allerdings plagte mich ‘ne ganz neue Variante von Schmerz: Bauchkneifen. Die Lösung wäre wohl ein Gebüsch oder ein Dixi, letztere waren aller 2 km aufgestellt und immer!!! besetzt.. Was für eine “bedrückende Situation”. Ich kürze ab: Bestimmt habe ich 5 Minuten mit Warten vor dem Häuschen zugebracht und meine Rennzeit beim Laufen um ebenwelche gemindert..

Um so mehr aus dem Häuschen war ich, als ich locker meinen Zielsprint mit meinen Kindern machen konnte und mich

jetzt, ab sofort, trotzdem, deswegen, gerade weil, immerhin …

Ironman nennen darf ..

Für’s Protokoll: Rank Agegroup: 63 of 334, Overall Rank: 280 of 1749

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