Triathlon Rennberichte

Ironman Hawaii Jubiläumsjahr – Rennbericht Reinhold Humbold

Im Jubiläumsjahr dem 10. bin ich schon sehr früh nach Hawaii geflogen, um einfach mal zu sehen, wie man eine intensive Vorbereitung vor Ort steuern und verarbeiten kann. 1500 km plus der Ironman auf Hawaii mit 226 km sind es dann geworden – und es hat aus meiner Sicht gut funktioniert. Von der ersten bis zur letzten Woche waren es 550, 410, 450 und 190 km Trainings Kilometer. Dank Argi+ (verzögert die Lakatbildung) und Wobenzym (verhindert Entzündungen in der Muskulatar) schafft man auch mit 66 Jahren noch intensive Trainingsbelastungen bei hohen Temperaturen. Durchschnittlich lagen die Temperaturen zwischen 29° und 31° Celsius. Mein Flüssigkeitsbedarf war nicht unerheblich. “3 ltr Bottles Hawaiin-Water” zum Anmachen der Getränkeflaschen, Cola für den Durst zwischendurch und abends gemischt Erdinger Alkoholfrei, sowie ein “richtiges Erdinger” schraubten den Tagesverbrauch auf über 7 Liter Flüssigkeit.

Trainingsgestaltung vor dem Rennen

Ein normaler Trainingstag in der ersten Woche startete mit einem guten Frühstück, dann ging ich bewusst vormittags laufen, um mich an die Hitze zu gewöhnen. Etwas auf der Terrasse ausruhen und gegen 13:00 Uhr mit dem Jeep das Fahrrad auf der Rückbank raus zum Highway. Von dort aus startete ich meine Radeinheiten. Auf der Rückfahrt ging es am Kona Swim Center vorbei, wo ich in der Regel noch eine Schwimmeinheit zwischen 3 und 4 km hatte. Gegen 19:00 Uhr machte ich mir mein Abendessen und lies den Tag mit ein paar Bierchen auf der Terrasse ausklingen.

Ab der 2. Woche gab’s eine Änderung im Tagesablauf, geschwommen wurde vor dem Frühstück, welches dann erst nach 10:30 Uhr stattfand. Früh um acht Uhr lief ich ca. 3 km zum Pier zum Schwimmtraining im Meer, 3 bis 4 km täglich. Auf dem Rückweg lief ich auf dem Alii Drive, dem Teil der Laufstrecke, an der auch mein Appartement lag, noch ‘ne Runde von 5 – 10 Km, um mir dann das verdiente Frühstück zu machen. Nachmittags ging es wieder auf den Highway zum Biken.

Natürlich waren Tage dabei, da fiel die Rad- oder Laufeinheit aus und mein Training beschränkte sich auf den 3 km Lauf zum Pier und dem Schwimmen im Meer.

In der letzten Woche reduzierte ich mein Training bis auf den Lauf zum Pier mit Schwimmen und einer kurzen Radeinheit. Am Freitag war dann “bike check in” wo ich meine Radutensilien, Helm und Radschuhe, sowie Laufsachen abgeben musste.

Rad Check-In – die inszenierte Show

Der check in ist ne richtig “typisch amerikanisch inszenierte Show”. Die sog Wechselzone liegt am Pier auf einer Fläche von 200 x 100 m, auf der 2240 Starter ihre Bikes abstellen und auf der linken Seite zwei Bereiche hintereinander angeordnet sind, wo die Rad- und Laufbeutel aufgehängt werden.

Man darf jetzt nicht glauben, dass hier jeder reinlaufen kann und seine Sachen ablegt .. Nein vorne am Eingang stehen bestimmt 100 “Volontairs” bereit, die jeden einzeln zuerst zum Bikestellplatz und dann zu den bereits erwähnten Rad- und Laufsachen begleiten. Der Volontär geht mit dir dabei genau den Weg ab, den du im Wettkampf einhalten musst, um an deine Sachen zum swim-bike und bike-run Wechsel zu kommen. Beim Verlassen der Wechselzone läuft man noch einen langen Gang, wo Außen die “Zähler” sitzen und für die Firmen für Statistikzwecke deine Ausrüstungsfirmen registrieren.

Samstag früh, besser gesagt nachts um 3:30 Uhr heißt es dann aufstehen, warm duschen, etwas Dehnen, ein kleines Frühstück mit Kaffee und Honigtoast. Rucksack packen mit Schwimmbrille, Schwimmkappe, Transponder (für Zeiterfassung) Zivilkleidung nach dem Wettkampf, gefüllte Getränkeflaschen fürs Rad, sog. Erstausstattung Gels, Kohlenhydratkonzentrat für Rad und Laufpart. Inzwischen ist es 4:30 und ich mach mich auf den Weg. Mit 6 kg Rucksack geht es im Trab auf dem Alii Drive zum Start am Pier. Es ist noch stockdunkel und es herrscht schon reger Betrieb, denn nicht nur die Athleten sind unterwegs, sondern auch deren Begleitung die am Pier stehen und den Start mitverfolgen möchten.

Gegen 5:00 bin ich angekommen und muss zuerst zum registrieren. Am Parkplatz hinter dem Kamehamea Hotel stehen wieder über 100 Volontärs bereit die den Athleten die Startnummern anbringen, früher wurden diese noch mit dicken Filzschreibern auf die Oberarme gemalt, heute gibt es dafür Tatoos die nass aufgetragen werden. Nach dem Beschriften der Oberarme geh ich in die Wechselzone zu meinem Rad das noch richtig aufgepumpt werden muss, weil sonst Gefahr besteht dass der Reifen wenn er den halben Freitag in der Sonne steht platzt. Radflaschen müssen angebracht und noch einmal alles kurz kontrolliert werden. Dann geht’s zu den Rad und Laufbeutel die Gels reinlegen, denn die würden ebenfalls in der Freitagshitze schmoren. Bei dieser Prozedur geht immer ein Volontär mit. Jetzt muss ich noch meinen Zivilbeutel ausserhalb der Wechselzone abgeben.

1. Startwelle

Inzwischen ist es kurz vor 6:30 und gleich startet die 1. Startgruppe mit den männlichen Profis, dann folgen die Profifrauen und um 6:50 Uhr die Age Grouper Herren, die größte Start Gruppe mit ca. 1700 Starter. Und damit Zeit, auch für mich ins Wasser zu steigen und zur Startlinie schwimmen.

Wie in den Vorjahren hab ich mich rechts außen positioniert um dem großen Gedränge auf den ersten 500 m zu entgehen und um relativ schnell meinen Rhythmus zu finden. Meine gute Vorbereitung mit über 50 km Schwimmen hat sich konditionell gut ausgewirkt, trotzdem war die Gesamtschwimmzeit eher mäßig, zweimal bin ich von der Ideallinie abgekommen. Wie meine Aufzeichnung mit dem Garmin gezeigt hat, sind dabei zwei, drei Schwimmminuten hinzugekommen. Aufgrund der angezeigten Durchschnittsgeschwindigkeit hätte ich eine Schwimmzeit von ca. 17:00 Minuten/Kilometer erreicht. So gesehen hab ich den 1. Platz beim Schwimmen in meiner AK verloren. Der Wechsel zum Rad verlief reibungslos und war mit 6 Minuten o.k. wenn man berücksichtigt dass ich meinem Schwimmanzug 2XU mit dem Erdinger Triathlonanzug echseln musste.

Auf dem Rad hab ich mir vorgenommen, die vom Wind begünstigten Passagen mit vollem Druck zu fahren, um das Zeitpolster für die windanfälligen Abschnitte auszubauen. Diese Taktik hat sich als richtig gezeigt, weil der berüchtigte Wind auf der Radstrecke immer wieder voll zugeschlagen hat. Selbst bei leichtem Gefälle musste man stellenweise mit 300 Watt fahren und der Tacho zeigte gerade mal 22 km/h an. Besonders stark spürte man den Wind auf den letzten 10 km bis Hawi, dem Wendepunkt.

Von Hawi zurück ging es dann auf 15 km mit hohem Tempo, welches die volle Konzentration forderte. Starke Windböen können hier gefährlich werden. Die Wahl zwischen Aeroposition – mit geringerer Windanfaelligkeit und höheren Tempo oder normale Sitzposition mit mehr Sicherheit bei Windböen den Lenker zu halten – löst sich permanent ab. Plötzlich ist es wieder vorbei mit der hohen Geschwindigkeit und trotz tendenziell abfallender Straße, zeigt der Tacho gerade mal um die 31 km/h. Nach 135 km geht es wieder auf dem Highway 190 in Richtung Bikeziel.

Mit einer Rad Zeit von 5:55 h lauf ich in die Wechselzone, um die Laufschuhe anzuziehen und den Marathon anzugehen. In Kona sind inzwischen Wolken aufgezogen und lassen die Sonne nur noch vereinzelt durch, damit ist es auf den ersten 15 km den Alii Drive Richtung Süden und zurück zwar warm, aber für Hawaii gut erträglich. Mental wirkt sich das positiv aus und erlaubt mir die ersten 25 km mit einem Schnitt von 5:30 min/km anzugehen, gute Chance mit 3:50h den Marathon zu laufen.

Den Alii Drive hinter sich geht es die Palani Road hoch und wieder raus auf den Highway Richtung Flughafen. 1 km davor geht es links wieder zum Energy Lab. Bei km 28 eine Mile Richtung Westen runter zum Strand wieder eine Mile Richtung Norden und dann zurück. Bei km 28 geht es dann wieder ansteigend zum Highway, das ist für mich der härteste Abschnitt und für viele Marathonläufer nahe dem berüchtigten Kilometer 30 Einbruch. So schlimm kam’s zwar nicht, aber ein paar km ging der Schnitt auf 6:00 min/km hoch und damit überschritt ich die 4 Std. Marathon Marke knapp um 2 Minuten. Am Ziel blieb die Uhr bei 11:31 stehen .. Platz 2 der AK 66-70, mit 3 Minuten Rückstand zum Sieger, der mir noch letztes Jahr 1:15 gegeben hat.

Alles in allem ein gutes Ergebnis mit dem ich zufrieden sein kann bzw. auch bin. Am Montag hab ich mich sofort für 2015 im Kraichgau angemeldet der am 7. Juni stattfindet, ein Glück weil es der einzige Qualifier auf der Halbdistanz ist, um noch einen Startplatz zu bekommen, ohne weit reisen zu müssen.

Aloha und Mahalo

Reinhold

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Redaktion

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