Triathlon Rennberichte

Powerman Falkenstein

Ich denke an das Frühjahr 2013 – da gab es so viele Duathlone wie noch nie, denn das Schwimmen ist bei so vielen Triathlonen wegen der Schlechtwetterlage durch einen Lauf ersetzt worden. Doch nun bin ich im Erzgebirge beim Powerman Germany gemeldet und vor Ort und es sollte mein erster Duathlon sein .. 6.15 Uhr schau ich aus dem Fenster des Hotels Falkensteins und es schifft! Nicht, dass ich da so zimperlich wäre, doch bei Regen um die 6-9 Grad bin ich doch mehr als skeptisch..

Mal schauen wie das die anderen sehen, ab zum Frühstück wo die anderen Athleten wohlgelaunt und fröhlich mampfen. Die Herrschafften der DTU sind hier auch zahlreich vertreten, ist ja schliesslich Deutsche Meisterschaft auf der Duathlon Langdistanz. Zum Glück gibt es hier am Buffet noch keine Regeln, ‘first come first serve’.

Zur Startvorbereitung war das allgegenwärtige Thema die angemessene Kleidung: Weste, lange Sachen, Regenjacke oder gar Handschuhe? Viele Mutige in kurz/kurz starten wohl doch eher bei der kurzen Distanz (5km – 20km – 2,5km) .. Nach dem Start des Sprint Duathlon waren nur noch die Starter der Langdistanz übrig – nahezu alle in lang gekleidet und mit Handschuhen! Toll, jetzt habe ich 3 Paar. Bei der Wahl der Hose bin ich auf kurz geblieben, mit Knielingen laufen geht mal gar nicht. Psst: ich habe mich des alten Tricks mit Melkfett als Schutzschicht auf der Haut bedient.

Endlich Start, 10.15 Uhr stehen 120 Athleten bereit, um mit dem Berg-Lauf auf 16 km sich warm zu laufen.. Ich kannte die Strecke noch nicht, konnte bei dem hoch und runter aber auch kein Tempogefühl erlangen, anfangs 3:45 min als Pace?! Nach km 2 ging es in den Wald, das hat richtig Spaß gemacht, die Jungs uns Mädels waren schon jetzt alle schlammig – der Dreck war an Beinen, Rücken usw..
Schwer einen Rhytmus zu halten, doch ich habe vor mir wieder meine “Pace-Frau” Katrin Esefeld in Sichtweite, sie ist vorletztes Jahr die 16km Strecke in unter 1.05h gelaufen, gut wenn ich da drann bleiben kann. Ab der 8km Wendemarke geht es nur noch runter und zu dumm.. mein Schnürsenkel geht auf – Pustekuchen mit dranbleiben. Aber hinunter war das mal auch anstrenged, immer unter 4min Schnitt laufen, das haut auch ziemlich rein.

Ab aufs Rad, jetzt kommt die Umstellung, erst mal nach dem schwitzigen Lauf herunterkühlen vom Fahrtwind. Zum Glück geht es auch hier gleich den Berg hoch. Ja, das wird kalt. 2 Runden a 30 km auf einer Wendepunktstrecke, so ist die Strecke gut mental zu zerlegen und man arbeitet sich in 5er Schritten durch. Die lange Abfahrt nach Klingenthalt, grrr.. Halbzeit, wird schon. Kurz vor Ende der ersten Runde kommen merkwürdige Gedanken.. Oder sagen wir so, die Option eines Did Not Finish ist sehr prominent, sicher auch keine Schande.. An der Wendemarke zur 2. Runde habe ich auch schon den Plan: herausfahren, warm und trocken werden.. Und da kommt die Stimme aus dem Mikro, Tom Stark aus München, ein Bayer.. Zack, das Hirn rebelliert, haben doch die Bayern gestern im DFB Pokal … wie auch immer, ich dementiere und fahre fort..
Zack, bin ich am Berg bei km 35, jetzt wird es richtig kalt.

An der Wendemarke Klingenthal nach der langen Abfahrt bietet mir ein Streckenposten “Hier auch warmer Kaffee.. ihr seht so durchgefroren aus”.. an.. Wie nett ist dass denn, dennoch konnte ich nur ein “ich brauche jetzt garnichts” herausbringen. Und jetzt durchhalten. Km 55 – jetzt sehe ich doch vor mir wieder die Katrin Esefeld, der Versuch der Aufmunterung .. Fehlanzeige, hier beissen alle. Ich überhole und werde an den Abfahrt wieder überholt.. Letztlich sind wir irgendwie beide heile in der Wechselzone und sie ab und davon…

Denn ich hadere mit meinem Helm, ich bekomme diesen unverschämten Schnappverschluss zu Verrecken nicht auf.. Nach hin und her kam mir eine Kampfrichterin zu hilfe, “sie sehen so verzweifelt aus”.. waren ihre Worte.. bejahend reisse ich mich zusammen und renne los.. Das Gefühl in den Füssen.. mit den vollgesaugten (dicken) Socken und die unter Wasser stehenden Schuhe – a Traum! Als ob mir jemand meine Einlagen vertauscht hätte.. Und es wollte einfach nicht locker werden, das ganz ging bis km 3, dann kam Gefühl zurück.

Und vor mir? Meine Pacemakerin, ich hole auf. Exakt an der 4km Wendemarke überhole ich Katrin und renne davon, so wirklich kam hier keiner mehr von hinten und ich wollte ja einfach nur noch schnell finishen.. Im Ziel, der verdiente Handschlag des Veranstalters und das verdiente Finisher-Shirt.. Doch wo bleibt Katrin? Genau nach 4 Minuten kommt sie und ihr Worte waren “das war das härteste, was ich je gemacht habe”.. Diese Worte bei einer Hawaii-Finisherin.. Meine Gratulation.

Jetzt bin ich auf das grüne Powerman Finishershirt um so stolzer, denn von den 120 Startern haben es nur 60 ins Ziel überlebt.. Somit bin ich doch auch tatsächlich meiner AK auf den 3. Platz gekommen… Auch wenn ich schon viel erzählt habe.. der muss noch: Ich hätte es doch nach diesem harten Auswahlverfahren doch tatsächlich, wenn ich gemeldet gewesen wäre, auf den 2. Platz der Deutschen Meisterschaft gebracht.. Zum Glück konnte ich trotzdem ein Bild der Medaille machen..

Nächstes Jahr – nächste Chance, wir sehen uns wieder im Erzgebirge beim Powerman.

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